Wie immer trat ich einen anfänglich normalen Tag im Schreibbüro an. Der Vormittag verlief eigentlich ruhig ab. Ich bereitete mir meine Aufgaben für die 3 Tage, die ich auf Arbeit bin, vor.
Auch die anderen kamen mit der Zeit an und mir kam es so vor, als würden die Tage eher in einem ruhigen Ablauf an mir vorbei schweben.
Doch da wusste ich auch nicht, das ich eine neue Mitarbeiterin in die täglichen Aufgaben einweisen sollte.
Das Schlimme daran war, dass ich einfach nicht wusste, was ich mit der neuen Mitarbeiterin anstellen sollte. Unser Niederlassungsleiter war nicht da und die Anderen hatten auch absolut keine Aufgaben parat.
Also was soll denn da ich als Azubi schon für Aufgaben vorbereiten?
Nach langen Diskussionen einigten wir uns darauf, dass ich ihr die Programme, mit denen wir arbeiten, näher erkläre, mit ihr den Postausgang bearbeite, das Telefon mit den vielen (sehr sehr vielen) Funktionen erkläre und eventuell noch unser Haus vorstelle.
Nach dieser Klärung senkte sich meine Aufregung langsam wieder, doch leider sollte es im späteren Verlauf des Tages zu einem weiteren Problem kommen.
Kurz vor 15:00 Uhr musste auch noch die Wasserzufuhr der Spüle kaputt gehen. Die ganze Küche stand unter Wasser und keiner wusste weiter. Wir suchten krampfhaft den Hebel, um das Wasser abzustellen und genau dieser musste auch noch klemmen. Ich rief verzweifelt bei verschiedenen Klempnern an, aber es kam mir so vor, als würden die gerade jetzt ihr Päuschen genießen. Immer dann, wenn wir in einer Notsituation stecken.
Nach der Panikattacke kam auch noch Frau Gehlert hinzu, die pünktlich auf die Minute zu uns gestoßen war. Sie durfte miterleben, wie wir in unserem Chaos gerade zu verzweifelten.
Ein eher komischer Einstieg in unsere Runde, zumal das ja eher kein gutes Bild von uns gab.
Zum Glück konnten wir dann doch die Wassermengen abstellen und einen Klempner, der auch endlich mal ans Telefon ging, bestellen.
Als wieder Ruhe einkehrte, konnten wir uns wieder den „gewohnten“ Aufgaben widmen.
Der nächste Tag verlief ganz ohne Chaos. Ich hatte unserer neuen Mitarbeiterin am Vortag (in der eher verbliebenen Zeit) die üblichen Aufgaben im Schreibbüro erklärt. Vor allem fiel mir die „große“ Begeisterung zum Telefon auf, die sich ja eher in Grenzen hielt. (Ein wenig erinnerte das mich an meine ersten paar Tage im Schreibbüro, als ich allein und ohne jegliche Hilfe an das Telefon gehen musste. Mittlerweile ist das wohl eher ein Klacks für mich geworden.)
Als ich ihr unser genaues Vorhaben für diesen Tag erklärte, wurde sie ganz blass im Gesicht.
Ihre Aufgaben bestanden darin, selbstständig den Postausgang zu bearbeiten, ein paar Ergänzungslieferungen in unsere Gesetzbücher einzusortieren und natürlich an das Telefon zu gehen, falls es mal klingelt.
Besonders im Fall „Telefon“ hatte ich eine gute Überlegung, wie ihr es etwas einfacher fallen würde.
In der Zeit, als es mir noch schwer fiel, mich richtig und ohne verhaspeln beim Telefonat vorzustellen, habe ich mir einen kleinen Zettel parat gelegt, auf dem stand: „Kanzlei ®KOLDI und Kolleß, Grimm mein Name, schönen guten Tag.“
Und genau so ähnlich habe ich auch ihr einen Zettel vorbereitet, das es ihr leichter fällt.
Als sie den Zettel erblickte, merkte man richtig, wie sie aufatmete vor Freude.
Wie es der Zufall wollte, rief auch in diesem Moment jemand bei uns an. Und genau bei dem ersten Versuch war irgendjemand dran, der natürlich auch gleich wieder auflegen musste. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass es bloß unser Niederlassungsleiter Herr Protze war, dessen Empfang zu schwach war.
Schon lustig wie das manchmal kommt.
Ich glaube, nach den ganzen Ereignissen könnte man schon denken, dass es immer so bei uns zugeht.
Fotos: © Maren Beßler / PIXELIO
Rubrik: Tagebuch einer Auszubildenden